26.9.10

Catherine Breillat: Anatomy of Hell ( Anatomie de l'enfer) (2004)

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Was ist "anatomy of hell" für ein Film? Ich möchte mal behaupten ein schwerfälliger, überheblicher französischer Kunst-Porno. Breillat lehnt ihr Werk an das Buch "Pornocratie" an. Gut, das hilft hier auch noch nicht viel weiter.

Die Handlung vollzieht sich innerhalb von 4 Tagen und umfasst grob was man als "Kampf der Geschlechter" bezeichnen würde. Man findet keinen leichten Einstieg, zumal der Mann aus seiner Sicht erzählt, die Sprechrolle aber von der Frau übernommen wird.
Er ( Rocco Siffredi), schwul, rettet Sie (Amira Casar) , psychisch fertig, vor dem Suizid. Kommentiert mit den Worten "Warum tust du das?" "Weil ich eine Frau bin." Anschließend bitte Sie Ihn 4 Nächte lang zu besuchen: "To watch me where I'm unwatchable". Es folgt eine beinahe rituelle Vorführung sämtlicher weiblicher, und auch männlicher, Körperflüssigkeiten. Eine annähernd kindliche Entdeckungstour von Ihm über ihren Körper. "Das untere Lächeln schminken" findet hier seine praktische Anwendung. Die Dialoge, an denen ich fest hielt um wenigstens einen Funken Verstehen zu erhaschen, helfen wenig weiter. Manchmal denkt man, okay, die Richtung wird deutlicher "The body of woman calls for mutilation, and yet no part of it is excessive". Dann wiederum dreht alles und man bekommt: " "You still know nothing about women." "I need alcohol." vorgesetzt.

Was genau zwischen beiden geklärt wird, blieb mir aufgrund der französischen Sprache vorenthalten. Grundsätzlich stehen sich in dene beiden Aktueren das Männliche und das Weibliche gegenüber - der sakrale Konflikt zwischen ihnen.

Am Ende verlässt er sie, angewiedert und erfüllt von tiefstem Hass auf die Frau als unergründlicher Quell allen Übels. In tiefer Verbundenheit kehrt er dennoch zu seiner "Lehrerin" wieder zurück, das Ende jedoch bleibt unklar. Für mich jedenfalls.

Fazit: Auf jedefall bietet "anatomy of hell" Potential für eine Doktorarbeit im Gebiet der Geschlechterforschung. Ansonsten eher verstörend, schwer zugänglich und irgendwo eine französische Porno-version von "Männer stammen vom Mars, Frauen von der Venus."

* Musik: kann ich mich nicht dran erinnern
* Spannung:5
* Gewalt: 8
* Sex: 9
* Humor: 0
* Blut: 8
* Romantik: 2
* Story: 3
* Anspruch: 8
* Grusel: 4
* empfohlene Freigabe: ab 18

Cinema

David Lynch: Inland Empire (Inland Empire), 2006 - Das abgrundtiefe Universum in uns



Zum Film:
Unendliche Dunkelheit umgibt den Betrachter, bevor schließlich ein heller Spot bzw. ein kleine Strahl Licht den Titel des Films kurz erscheinen lässt, um ihn nur gleich wieder verschwinden zu lassen: „Inland Empire“
Was folgt, ist der Blick auf eine Tonabnehmernadel eines alten Plattenspielers und das Geräusch einer sich drehenden Platte.
Plötzlich erscheint ein Frauengesicht inmitten dieser rätselhaften Szene, ein „PlattenPhantom?“
Es scheint uns etwas sagen zu wollen, eine fremde Sprache die nach Polnisch klingt…
In den nächsten Szenen ein dunkler Flur und zwei Personen, deren Gesichter wir nicht erkennen, da sie unkenntlich gemacht wurden.
Die beiden anonymen Gestalten haben miteinander Sex, ob es sich jedoch um eine Prostituierte und einen zahlenden Kunden handelt oder um ein Liebespaar wissen wir als Betrachter nicht (überhaupt wissen wir als Betrachter recht wenig bei diesem dunklen Meisterwerk).
Anschließend erklingt eine unglaublich schöne Melodie und ein sehr dramatischer Song nimmt uns gefangen. Eine weinende Frau, sitzend auf einem Bett, betrachtet einen Fernseher, auf dem wir nur ein „Bildrauschen“ erkennen. Ist es die Frau von gerade eben?
Anschließend beginnt  eine TV-Sendung  mit Menschen im Hasenkostüm.
Sie reden wirres Zeug und merkwürdige „Lacher“ wie bei einer Sitcom unterstreichen diese bizarre Szene, bei der einem sprichwörtlich das Lachen im Hals stecken beleibt... 


Dies ist der Anfang eines wirklich düsteren, bizarren und merkwürdigen Films den uns Lynch hier präsentiert.
Laura Dern spielt eine berühmte Schauspielerin, die die Hauptrolle in einem Film bekommt der nie zu Ende geführt werden konnte, da die damaligen Hauptdarsteller des Films verstarben. Ein „Zigeunerfluch“ und eine Liebesaffäre seien hier nur am Rande erwähnt.
Tanzende Prostituierte die nach dem Song „Locomotion“ tanzen und Laura Dern in sämtlich denkbaren Angstzuständen sind hier nur weitere verstörende Elemente, die dem Betrachter auf seinem Weg durch das Inland-Empire-Labyrinth begegnen werden.

Schlüsselelemente die den Film erst richtig interessant machen, sind die Wiederholungen und Zusammenhänge einzelner Szenen, die dem Betrachter am Ende des Filmes offenbart werden. Wie einzelne Fragmente dieses Lynch-Labyrinths zusammenhängen werden zwar nun gezeigt, jedoch ist diese Logik nur ein Tropfen auf einem heißen Stein und offenbart sich nur als ein winziger Teil dieses labyrinthischen Universums.
Wie in ein fraktaler Albtraum eröffnet sich dem Zuschauer eine Welt, die scheinbar unendlich weiter geführt werden könnte: Der Film ist ein Film im Film im Film…(bzw. Traum im Traum…, Raum im Raum…)
An einigen Stellen weiß der Betrachter schließlich selbst nicht mehr was Traum, was Film und was die „Realität“ (falls es die hier überhaupt gibt!) darstellt. Beim Tod der Laura Dern, die vielleicht die Schlüsselszene des Films darstellt, wird diese Rätselhaftigkeit schließlich auf die Spitze getrieben (was hier nicht verraten werden soll).

Am Ende des Films tauchen auch Elemente des „Filmprologs“ wieder auf und der Kreis dieses Albtraumes scheint sich zu schließen.
Selbst der Abspann ist ein Rätsel und dürfte für den Zuschauer einige Überraschungen bereithalten.
Das Filmrätsel muss jedoch vom Betrachter entwirrt werden, soweit dies überhaupt möglich ist. Lynch sagt dazu: „Ich weiß, was ‚Inland Empire‘ für mich bedeutet. Aber das verrate ich nicht […] Die Zuschauer müssten stärker ihrer Intuition vertrauen. Denn im Grunde wissen sie viel mehr, als sie glauben, aber sie gestehen es sich nicht ein.“ – Interessant Herr Lynch!!! 



Fazit – Eigener Eindruck:
Lynchs Meisterwerk „Inland Empire“ verlangt viel von dem Zuschauer. Nicht nur inhaltlich sondern auch visuell setzt Lynch neue Maßstäbe. Sein Film kann fast schon als ein experimentelles Kunstwerk betrachtet  werden, was uns die Entstehungsgeschichte des Filmes schon zeigt. Lynch arbeitete sehr intuitiv und lies den Film daher auch ohne ein festes Drehbuch entstehen. Er schrieb sozusagen spontan kleine Drehbücher für jede Szene und ließ dann die Darsteller dazu agieren. Das Laura Dern sich trotz dieser ungewöhnlichen Arbeitsweise so prächtig in ihrer Rolle entfalten kann – Respekt!
Auch die Kamera zeigt uns diese experimentelle Herangehensweise. Gedreht mit einer digitalen Handkamera, bemerkte Lynch an einigen Szenen, dass teilweise die Gesichter der Darsteller unscharf waren, während die Hintergründe gestochen scharf hervorstechen. Ändern ließ er dies jedoch nicht, denn er mochte diese Bilder, da der Betrachter an dieses Stellen nicht weiß worauf er sein Augenmerk richten soll.
Auch der Titel des Films ist zufällig entstanden, als Lynch und Laura Dern sich über einen Ort unterhielten, der genau diesen Titel führte.
Das mehrere Orte in den USA „Inland Empire“ heißen, zeigt dem Betrachter wie willkürlich und banal dieser Name eigentlich ist. Es geht hier viel mehr um das „Inland Empire“ in uns allen oder besser gesagt: das abgrundtiefe Universum in uns.
Und dies zeigt uns Lynch in seinem Film umso mehr, als dass er etwa einer stringent durchdachten Handlung folgen würde.
Eigentlich eine revolutionäre und einzigartige Art des modernen Films. Die jedoch viele Zuschauer und vor allem die moderne Filmindustrie nicht erreichen wird, denn dafür ist der Film wohl letztendlich zu einzigartig, zu speziell und zu schwierig.
Wenn man sich jedoch auf dieses surrealistische Meisterwerk einlässt, erwartet einem ein drei stündiger surrealer Bilderbogen mit zahlreichen wunderbar rätselhaften Szenen, in denen sich der Zuschauer verlieren wird.
Achtsam sollte der Zuschauer jedoch schon sein und darauf aufpassen, dass er sich nicht in diesem Labyrinth von Inland Empire verliert…

  • Film: 9

  • Musik: 8   

  • Anspruch: 10                     

  • Spannung: 8  

  • Verwirrtheit des Zuschauers: 10

  • Zuschauer die nach 20 Minuten den Saal verlassen: etwa 34 Prozent

24.9.10

Lars von Trier : Antichrist ( Antichrist) , 2009

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Entgegen aller Kritik bin ich von "Antichrist" mehr als begeistert. 
Obwohl Lars von Trier auf Grund seiner Depression während der Dreharbeiten nicht selbst die Kamera führen konnte, so ist dieser Film dennoch durch und durch Trier-isch. Hauptdarsteller sind Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg.  Sie ist psychisch krank, er Psychiater. Der Leidensweg wird, wie schon in "Dogville", in einzelne Kapitel unterteilt. Wer sich durch ein, zwei ekelhafte Schockmomente nicht davon abhalten lässt, diesen Fillm zu schauen, findet eine kunstvoll inszenierte Geschichte mit klassischer Musik und magischen Bildern. Einziger Kritikpunkt mag sein, das das Thema "Gynozid "vielleicht zu spät eingebracht wurdeund deshalb am Ende nicht so ganz stimmig wirkt. Ansonsten. Alle mit gefestigtem Magen : ANSEHEN.

Fazit:

  • Musik:            8
  • Spannung:       7
  • Gewalt:           9
  • Sex:                9
  • Humor:           2
  • Blut:                8
  • Romantik:       4
  • Story:              6
  • Anspruch:        7
  • Grusel:             5
  • empfohlene Freigabe:       ab 18